NAS-Festplatten wählen: 4 TB oder mehr, CMR statt SMR
Welche Festplatte fürs NAS? 4 TB oder mehr, CMR statt SMR, WD Red Plus und IronWolf, Kompatibilitätslisten und warum ein USB-Adapter an der FRITZ!Box kein NAS ist.


Für wen ist dieser Ratgeber?
Wer nach „NAS Festplatte 4 TB“, „günstige NAS-Festplatten“, „NAS Bundle mit Festplatten“ oder „NAS-Adapter für USB-3.0-Festplatten“ sucht, steht meist vor dem letzten Schritt: Das NAS ist ausgesucht, doch fast alle Geräte werden ohne Festplatten geliefert. Welche Platten passen, wie groß sollten sie sein, und reicht nicht vielleicht doch eine USB-Festplatte an der FRITZ!Box?
Dieser Ratgeber beantwortet die Fragen mit Angaben aus den Datenblättern von Western Digital und Seagate, den Kompatibilitätslisten der NAS-Hersteller und der Anleitung von AVM. Wer sich die Plattenwahl ganz sparen will, findet mit dem Synology DS225+ im Bundle mit zwei WD Red Plus 4 TB ein Komplettpaket. Alle Geräte im Überblick zeigt unser NAS-Vergleich 2026.
1. Wie viel Speicher brauchen Sie wirklich?
Die Rohkapazität ist nicht die nutzbare Kapazität. Entscheidend ist der RAID-Typ:
- RAID 1 mit zwei Platten: Nutzbar ist die Kapazität einer Platte. Zwei 4-TB-Platten ergeben 4 TB.
- RAID 5 mit vier Platten: Nutzbar sind drei Viertel. Vier 4-TB-Platten ergeben rund 12 TB.
- Unterschiedlich große Platten: Im klassischen RAID bestimmt die kleinste Platte die Kapazität. TerraMaster bewirbt seine TRAID-Technik dagegen ausdrücklich damit, gemischte Plattengrößen zu nutzen und bis zu 30 % mehr Platz als klassisches RAID zu bieten.
Eine grobe Faustregel: Zählen Sie zusammen, was heute auf allen Handys, Laptops und externen Platten der Familie liegt, und verdoppeln Sie den Wert. Für viele Familien landen Sie damit bei 4 TB nutzbarem Platz. Wer Filme sammelt, Videos dreht oder im RAW-Format fotografiert, plant besser mit 8 TB oder mehr pro Platte. Ein späterer Umstieg auf größere Platten ist im RAID 1 möglich, aber zeitaufwendig, weil das System nach jedem Plattentausch neu synchronisiert.
Bedenken Sie auch die externe Backup-Platte: Sie muss mindestens so groß sein wie die gesicherten Daten. Warum diese dritte Kopie unverzichtbar ist, erklärt unser Ratgeber NAS-Backup mit zwei Festplatten.
2. CMR statt SMR
Festplatten schreiben Daten in Spuren auf Magnetscheiben. Bei CMR (Conventional Magnetic Recording) liegen die Spuren nebeneinander. Bei SMR (Shingled Magnetic Recording) überlappen sie sich wie Dachziegel, was mehr Kapazität bringt, das Überschreiben aber komplizierter macht.
Seagate schreibt auf seiner Übersicht zu CMR- und SMR-Laufwerken, SMR eigne sich am besten für Arbeitslasten mit fortlaufendem Schreiben, etwa große Medienarchive oder Backup-Ebenen, und erfordere ein Maß an Kontrolle über die Speicherarchitektur, das nicht jedes System hat. In einem NAS mit RAID wird aber ständig gemischt gelesen und geschrieben, und nach einem Plattentausch muss das ganze RAID neu aufgebaut werden. Für Heim-NAS-Systeme sind CMR-Festplatten die sichere Wahl.
Laut Seagate-Übersicht sind diese Serien durchgehend CMR:
- IronWolf (3,5 Zoll): CMR von 2 bis 16 TB
- IronWolf Pro (3,5 Zoll): CMR, in den größten Kapazitäten mit Mozaic-HAMR-Technik
Bei der BarraCuda (3,5 Zoll), Seagates Desktop-Serie, nennt dieselbe Liste dagegen SMR-Modelle mit 4 und 8 TB. Gerade bei günstigen 4-TB-Platten ist also Vorsicht geboten. Western Digital gibt im Datenblatt der WD Red Plus für alle Modelle von 2 bis 12 TB CMR an.
3. NAS-Serien: WD Red Plus und Seagate IronWolf
NAS-Festplatten sind für den Dauerbetrieb in Gehäusen mit mehreren Platten ausgelegt. Die beiden verbreitetsten Serien im Überblick:
| Merkmal | WD Red Plus 4 TB (WD40EFPX) | Seagate IronWolf |
|---|---|---|
| Aufzeichnung | CMR | CMR |
| Ausgelegt für | NAS mit bis zu 8 Schächten | NAS mit mehreren Schächten |
| Arbeitslast | 180 TB pro Jahr | bis 180 TB pro Jahr |
| Drehzahl | 5.400 U/min | bis 7.200 U/min (je nach Modell) |
| Cache | 256 MB | je nach Modell |
| Garantie | 3 Jahre | siehe Hersteller |
| Besonderheiten | NASware-Firmware, MTBF 1 Mio. Stunden | AgileArray-Firmware, IronWolf Health Management, 3 Jahre Rescue-Datenrettung |
Die Angaben zur WD Red Plus stammen aus dem Datenblatt von Western Digital, die zur IronWolf von Seagates Produktseite. Seagate schreibt, die Rescue-Datenrettung sei nicht in allen Ländern verfügbar; prüfen Sie das für Deutschland vor dem Kauf.
Was die Zahlen bedeuten:
- Arbeitslast (Workload): Western Digital definiert sie als Menge der Nutzerdaten, die pro Jahr auf die Platte geschrieben oder von ihr gelesen werden. 180 TB pro Jahr sind für ein Familien-NAS reichlich.
- Drehzahl: 5.400 U/min sind leiser und sparsamer, 7.200 U/min schneller. Für ein NAS im Wohnbereich und ein Gigabit- oder 2,5-GbE-Netz ist die langsamere Variante meist die bessere Wahl. Die WD Red Plus 4 TB schafft laut Datenblatt bis zu 180 MB/s, das reicht, um einen 2,5-GbE-Port fast auszulasten.
- MTBF: Western Digital weist selbst darauf hin, dass der Wert eine statistische Größe ist und keine Aussage über die Zuverlässigkeit einer einzelnen Platte erlaubt.
4. Kompatibilitätslisten der NAS-Hersteller
Jeder NAS-Hersteller führt eine Liste von Laufwerken, die er mit seinen Geräten geprüft hat. Wie verbindlich sie ist, unterscheidet sich:
- QNAP schreibt, der Kundendienst könne für Geräte, die nicht auf der Kompatibilitätsliste stehen, keinen technischen Support leisten.
- Asustor empfiehlt nachdrücklich, Laufwerke von der Liste zu wählen, und weist darauf hin, dass aufbereitete („recertified“) Laufwerke nicht geprüft wurden und zu Instabilität führen können.
- UGREEN empfiehlt auf der Produktseite des DXP2800 NAS-Festplatten wie die Seagate IronWolf; laut Amazon-Beschreibung arbeitet NASync mit Platten von Western Digital, Seagate, Toshiba und weiteren Herstellern.
- Synology hat beim DS225+ laut Amazon-Beschreibung mit DSM 7.3 die Nutzung von Laufwerken anderer Hersteller freigegeben.
Unser Rat: Wählen Sie eine CMR-NAS-Platte, die auf der Liste Ihres NAS-Herstellers steht. Dann sind Sie im Supportfall auf der sicheren Seite. Verwenden Sie in einem RAID möglichst zwei gleiche Modelle mit gleicher Kapazität.
5. Bundle mit Festplatten: wann es sich lohnt
Ein Bundle nimmt Ihnen die Recherche ab. Das Synology DS225+ wird laut Amazon-Beschreibung mit zwei WD Red Plus mit je 4 TB geliefert, also genau den CMR-Platten aus der Tabelle oben. Für Einsteiger ist das bequem. Rechnen Sie trotzdem nach, ob NAS und Platten einzeln günstiger sind, und bedenken Sie: Zwei Platten aus derselben Lieferung sind gleich alt und werden gleich belastet. Das ist kein Grund gegen ein Bundle, aber ein weiterer Grund für eine externe Sicherung.
6. Warum ein USB-Adapter an der FRITZ!Box kein echtes NAS ist
Viele suchen nach einem „NAS-Adapter“ für eine vorhandene USB-Festplatte. Die einfachste Variante hat fast jeder schon: die FRITZ!Box. Laut AVM stellt sie angeschlossene USB-Speicher im Heimnetz als „Speicher (NAS)“ bereit. Die Grenzen stehen in derselben Anleitung:
- Unterstützt werden höchstens vier Partitionen mit je bis zu 4 TB.
- Die FRITZ!Box versorgt USB-Geräte mit insgesamt bis zu 900 mA. Größere Platten brauchen ein eigenes Netzteil oder einen aktiven USB-Hub.
- Zugriff haben nur FRITZ!Box-Benutzer mit der Berechtigung „Zugang zu NAS-Inhalten“.
Was fehlt: eine zweite Platte als Spiegel, Snapshots, Benutzerordner mit automatischer Handy-Sicherung, ein Medienserver mit Transcoding und Werkzeuge für eine Sicherung auf ein drittes Medium. Eine einzelne USB-Platte an der FRITZ!Box ist damit ein bequemer Netzwerkordner, aber kein sicherer Aufbewahrungsort für die Familienfotos. Ein echtes NAS wie das QNAP TS-233 kostet laut Hersteller im Dauerbetrieb nur wenig Strom und schließt genau diese Lücken. Ihre vorhandene USB-Platte bleibt dann nützlich: als externe Backup-Platte am NAS.
Passende NAS-Systeme

Komplettpaket mit zwei CMR-Platten WD Red Plus 4 TB: die einfachste Lösung, wenn Sie keine Festplatten aussuchen möchten.

Günstiges 4-Bay-NAS mit TRAID, das laut Hersteller auch unterschiedlich große Platten sinnvoll nutzt. Ideal, um mit zwei Platten zu starten und später zu erweitern.

2-Bay-NAS mit Intel N100 und zwei zusätzlichen M.2-Steckplätzen, das mit Platten vieler Hersteller arbeitet. Gut für zwei 4- oder 8-TB-Platten im RAID 1.
Mehr zu den Geräten in unseren Bewertungen: Synology DS225+ im Bundle, TerraMaster F4-425, UGREEN NASync DXP2800 und Asustor Nimbustor 4 Gen2 AS5404T für alle, die zusätzlich SSDs nutzen wollen.
Unser Fazit
Für ein Heim-NAS sind zwei oder vier gleiche CMR-Festplatten aus einer NAS-Serie die richtige Wahl, etwa WD Red Plus oder Seagate IronWolf. 4 TB pro Platte genügen vielen Familien, wer Videos sammelt, plant größer. Ein Blick auf die Kompatibilitätsliste des NAS-Herstellers erspart Ärger im Supportfall. Und die USB-Platte an der FRITZ!Box hat als Netzwerkordner ihre Berechtigung, ersetzt aber kein NAS mit Spiegelung und Snapshots.
Quellen
- Seagate: CMR- und SMR-Festplatten (Übersicht nach Serie)
- Seagate: IronWolf NAS-Festplatten (Produktseite)
- Western Digital: Datenblatt WD Red Plus (PDF)
- QNAP: Kompatibilitätsliste
- Asustor: Kompatibilitätsliste für Festplatten
- Offizielle Produktseite UGREEN NASync DXP2800 (EU)
- Offizielle Produktseite TerraMaster F4-425
- AVM / FRITZ!: USB-Speicher an FRITZ!Box einrichten (Wissensdatenbank, FRITZ!Box 7590)
Häufige Fragen
Reichen 4 TB für ein NAS?
Für viele Familien ja. Zwei 4-TB-Platten im RAID 1 ergeben 4 TB nutzbaren Platz, genug für Handyfotos, Dokumente und eine kleine Filmsammlung. Wer viele Videos oder RAW-Fotos speichert, sollte zu 8 TB oder mehr pro Platte greifen.
Warum CMR statt SMR?
Laut Seagate eignet sich SMR vor allem für Arbeitslasten mit fortlaufendem Schreiben und erfordert eine Kontrolle über die Speicherarchitektur, die nicht jedes System hat. Für ein NAS mit RAID sind CMR-Festplatten die sichere Wahl. WD Red Plus und Seagate IronWolf sind laut Hersteller durchgehend CMR.
Kann ich eine normale Desktop-Festplatte ins NAS bauen?
Technisch oft ja, sinnvoll ist es selten. Seagate führt zum Beispiel die BarraCuda mit 4 und 8 TB als SMR-Modelle. NAS-Serien sind für den Dauerbetrieb in mehreren Schächten ausgelegt und stehen meist auf den Kompatibilitätslisten der NAS-Hersteller.
Muss die Festplatte auf der Kompatibilitätsliste stehen?
Das hängt vom Hersteller ab. QNAP leistet laut eigener Seite keinen technischen Support für Geräte, die nicht auf der Liste stehen. Asustor empfiehlt Laufwerke von der Liste ausdrücklich. Synology erlaubt beim DS225+ seit DSM 7.3 laut Amazon-Beschreibung auch Laufwerke anderer Hersteller.
Ist eine USB-Festplatte an der FRITZ!Box ein NAS?
Nur ein sehr einfaches. Laut AVM unterstützt die FRITZ!Box höchstens vier Partitionen mit je bis zu 4 TB und liefert insgesamt bis zu 900 mA über USB. Ausfallschutz durch RAID, Snapshots oder eine Foto-App gibt es nicht.